Speicherkrise durch KI: Wie lange Server und Notebooks teurer bleiben

KI- und Digital-Experte bei DigiRift

Dienstag, 16:40 Uhr, in einem Kunststoffwerk bei Bielefeld. IT-Leiterin Katrin Albers hat zwei Angebote vor sich, eines für Notebooks und eines für einen Server, und beide sind teurer als erwartet. Zwölf Notebooks aus derselben Modellreihe wie im Vorjahr kosten pro Stück spürbar mehr, und im Datenblatt steht eine kleinere SSD. Der neue Server für die Produktionsdaten kommt mit einem Vorbehalt auf der letzten Seite: Der Preis könne sich bis zur Auslieferung ändern.
Ihr erster Verdacht gilt dem Händler. Doch die Ursache liegt weit außerhalb ihres Werks und hat einen Namen: Speicherkrise durch KI. Die Speicherhersteller beliefern bevorzugt KI-Rechenzentren, für Notebooks und klassische Server wird Speicher dadurch knapp und teuer. Wer im Mittelstand Hardware kauft, bezahlt diese Umschichtung inzwischen mit.
Für Albers zählen jetzt drei Fragen: Wie lange bleibt das so, soll sie sofort bestellen oder warten, und braucht das für 2027 geplante KI-Projekt noch mehr teure Hardware? Die ersten beiden beantworten die Prognosen von Marktforschern und Herstellern, die dritte entscheidet sich an der Architektur des Projekts.
Warum ist RAM so teuer? Speicher für KI-Rechenzentren hat Vorrang
Die Speicherkrise durch KI entsteht, weil die Hersteller ihre Fertigung zu HBM-Chips und Server-Speicher für KI-Rechenzentren umlenken und Cloud-Anbieter sich Mengen über Langfristverträge sichern. Für Notebooks und PCs bleibt weniger Speicher übrig, und selbst Server-Speicher ist unterversorgt, deshalb steigen die Preise auf breiter Front.
Laut TrendForce (2026) schichten die DRAM-Hersteller im zweiten Quartal 2026 Kapazität zu HBM und Serveranwendungen um, weil Server-Speicher die höheren Margen bringt. Auch das Angebot an SSDs für PCs und Notebooks halten die Hersteller knapp, um die Preise zu stützen. Für das Quartal erwartete der Marktforscher bei den Vertragspreisen für konventionellen DRAM plus 58 bis 63 Prozent und für NAND-Flash plus 70 bis 75 Prozent zum Vorquartal.
Laut IEA (2026) ist der Spezialspeicher HBM (High Bandwidth Memory) fester Bestandteil der KI-Chip-Produktion. Den Umsatz damit teilten laut Counterpoint Research (2026) im zweiten Quartal 2026 drei Hersteller unter sich auf: SK hynix kam auf 50, Samsung auf 33 und Micron auf 18 Prozent. Unsere Einschätzung: Bei nur drei Lieferanten schlägt jede Verschiebung der KI-Nachfrage schnell auf den gesamten Speichermarkt durch.
Die Rekordprozente sind Vertragspreise, nicht Ihr Angebot
Den Rekord sah TrendForce (2026) im ersten Quartal 2026: Der Marktforscher hob seine Prognose für konventionellen DRAM auf plus 90 bis 95 Prozent zum Vorquartal an, für PC-DRAM auf über 100 Prozent. Gemeint sind Vertragspreise zwischen Speicherherstellern und Großabnehmern wie PC-Herstellern, keine Ladenpreise. In Ihrem Notebook-Angebot ist der Speicher nur ein Bauteil unter vielen.
Im Einzelhandel lässt sich der Schub über ein ganzes Jahr ablesen. Eine Stichprobe von ComputerBase (2026) mit je rund einem Dutzend populärer Produkte ergab von September 2025 bis September 2026 im Schnitt plus 370 Prozent bei DDR5-Arbeitsspeicher, plus 134 Prozent bei Festplatten und plus 129 Prozent bei SSDs. Repräsentativ ist das nicht, die Richtung aber eindeutig.
Wie lange dauert die Speicherkrise durch KI? Die Prognosen reichen bis 2028
Nach den vorliegenden Prognosen dauert die Speicherkrise durch KI mindestens bis Ende 2027. Keine der hier ausgewerteten Einschätzungen rechnet vorher mit spürbar sinkenden Preisen, Gartner sieht die Folgen sogar bis 2028.
Laut heise online (2026) erwartet Gartner für 2026 bei DRAM ein Preisplus von 125 Prozent und bei NAND-Flash von 234 Prozent. Nennenswerte Preissenkungen sieht das Analysehaus erst gegen Ende 2027, Nachfrage außerhalb der KI werde je nach Anwendung bis 2028 ausfallen oder sich verschieben. TrendForce (2026) hält es für möglich, dass das Angebot an PC-DRAM 2027 sogar sinkt, weil weitere Kapazität zu Server-Speicher wandert.
Auf der Serverseite rechnet HPE laut Computerwoche (2026) mit erhöhten Preisen für Speicher und Storage bis weit ins Jahr 2027.
| Prognose | Quelle | Stand | Aussage |
|---|---|---|---|
| Speicherpreise | Gartner (laut heise) | April 2026 | Nennenswerte Senkungen erst gegen Ende 2027, Nachfrage außerhalb der KI bis 2028 belastet |
| PC-Arbeitsspeicher | TrendForce | September 2026 | Angebot an PC-DRAM könnte 2027 sinken |
| Server und Storage | HPE (laut Computerwoche) | März 2026 | Erhöhte Preise bis weit ins Jahr 2027 |
| KI-Speicher HBM | IEA | April 2026 | Knappheit mindestens bis Ende 2027 |
Das sind Einschätzungen der jeweiligen Häuser, keine Garantien. Sie zeigen aber in dieselbe Richtung: Auf fallende Preise im Jahr 2027 zu warten, ist nach keiner dieser Prognosen ein tragfähiger Plan.
Zwar flacht der Anstieg ab: Für das dritte Quartal 2026 erwartete TrendForce (2026) bei DRAM noch plus 13 bis 18 Prozent, für das vierte plus 10 bis 15 Prozent zum Vorquartal. Weniger steil heißt aber nicht billiger, denn jede Quartalsprognose für 2026 zeigt nach oben.

Wie sich die Prognosen Quartal für Quartal entwickeln, ordnen wir im KI-Newsletter für Entscheider im Mittelstand ein.
17 Prozent teurere PCs: Was die Speicherkrise durch KI Ihren Betrieb kostet
Für Unternehmen schlägt die Krise direkt auf die Gerätepreise durch: PCs kosten laut einer Gartner-Prognose 2026 im Schnitt 17 Prozent mehr als 2025, und bei klassischen Servern macht Speicher laut HPE inzwischen über die Hälfte der Materialkosten aus. Dazu kommen teils kürzer gültige Angebote und Preisvorbehalte bis zur Auslieferung.
Über die Gartner-Prognose berichtet heise online (2026): Arbeitsspeicher und SSDs werden demnach bis Ende 2026 um bis zu 130 Prozent teurer. Die Endkundenpreise für Notebooks sollen laut TrendForce auf breiter Front steigen, und PC-Hersteller verkleinern die SSD-Kapazität in Mainstream-Modellen. Dasselbe Modell zum selben Preis kann heute also weniger Speicher enthalten.
Der Markt reagiert bereits: Im dritten Quartal 2026 wurden laut heise online (2026) je nach Marktforscher 20,1 Prozent (IDC) oder 21,2 Prozent (Omdia) weniger PCs ausgeliefert als ein Jahr zuvor. Laut Omdia stiegen die Materialkosten eines PCs seit Anfang 2025 in allen Preisklassen um mehr als 40 Prozent. Die Welle begann früh: Für einen der größten PC-Hersteller erwartete TrendForce (2025) laut Branchenquellen Preiserhöhungen von mindestens 15 bis 20 Prozent, möglicherweise schon ab Mitte Dezember 2025, ein weiterer ließ alle laufenden Angebote zum Jahresbeginn 2026 auslaufen.
Bei Servern frisst der Speicher über die Hälfte der Materialkosten
DRAM und NAND machen laut HPE-Chef Antonio Neri über die Hälfte der Materialkosten eines klassischen Servers aus, mit steigender Tendenz, berichtet The Register (2026). Früher lag der Anteil laut Computerwoche je nach Konfiguration bei etwa 25 bis 40 Prozent. HPE behält sich zudem vor, Bestellungen zwischen Angebot und Auslieferung neu zu bepreisen, hat die Gültigkeit seiner Angebote verkürzt und lenkt Kunden nach Möglichkeit zu Konfigurationen mit weniger Arbeitsspeicher. Genau so ein Vorbehalt liegt auf dem Schreibtisch von Katrin Albers.

Notebook jetzt kaufen oder warten? Sechs Regeln für Ihre Beschaffung bis 2027
Wer Notebooks oder Server ohnehin ersetzen muss, gewinnt durch Abwarten nach heutigem Prognosestand nichts. Sinnvoller ist es, Bestellungen zu bündeln, Preisvorbehalte zu prüfen und nach echtem Bedarf zu konfigurieren.
- Bedarf bis Ende 2027 bündeln. Erfassen Sie, welche Geräte in diesem Zeitraum aus Garantie, Support oder Leistung fallen, und bestellen Sie gebündelt mit festen Terminen statt in vielen Einzelkäufen.
- Ersatzzyklen einzeln prüfen. Gartner erwartet, dass Geschäftskunden ihre Geräte im Schnitt 15 Prozent länger nutzen. Wo Sicherheitsupdates und Herstellersupport weiterlaufen, darf ein funktionierendes Gerät länger bleiben.
- Angebote mit Preisvorbehalt genau lesen. Bei Server-Angeboten zählen drei Fragen: Bis wann gilt der Preis, wann darf der Anbieter bis zur Auslieferung neu bepreisen, und ist der Liefertermin verbindlich? Die Klauseln lassen Sie im Zweifel juristisch prüfen.
- Festpreis und Liefertermin zusammen verhandeln. Ein Festpreis ohne verbindlichen Termin verschiebt das Risiko nur.
- Datenblätter statt Endpreise vergleichen. Arbeitsspeicher und SSD-Kapazität entscheiden, ob ein günstigeres Angebot wirklich günstiger ist.
- Nach echtem Bedarf konfigurieren. Ein Arbeitsplatz für die Auftragsbearbeitung braucht andere Werte als eine CAD-Station.

In unserer Praxis bei DigiRift liegt der größte Hebel meist nicht im Rabatt, sondern in der Konfiguration: Viele Geräte und Server werden auf Vorrat ausgestattet, und gerade dieser Vorrat ist im Moment teuer.
Katrin Albers hat ihre Bestellung nach diesem Muster umgebaut. Den Notebook-Bedarf der nächsten fünf Quartale fasst sie in einer terminierten Bestellung zusammen, die jüngeren Geräte bleiben ein Jahr länger im Einsatz, und für den Server verhandelt sie Festpreis und Liefertermin als Paket. Statt einer Überraschung pro Quartal hat sie jetzt einen Plan für das ganze nächste Jahr.
KI-Projekte trotz Speicherkrise durch KI: Die Rechenarbeit gehört auf den Server
Für KI-Prozessautomatisierung braucht ein Unternehmen in aller Regel keine neuen Arbeitsplatzrechner, wenn die Rechenarbeit zentral auf Servern läuft und nicht am einzelnen Notebook. Die Speicherkrise trifft KI-Vorhaben dann vor allem dort, wo eigene Server geplant sind. Für das KI-Projekt im Werk von Katrin Albers heißt das: Die Notebook-Bestellung muss dafür nicht wachsen.
DigiRift plant KI-Lösungen so, dass sie auf Servern in Deutschland oder auf Ihrer vorhandenen Infrastruktur laufen und die Arbeitsplätze bleiben, wie sie sind. Soll die KI im eigenen Haus laufen, dimensionieren wir Modell und Hardware passend: schlanke, quantisierte Modelle mit weniger Speicherbedarf statt Überdimensionierung, wie im Beitrag Edge-KI statt Cloud beschrieben. Kauf gegen Hosting rechnen wir mit den aktuellen Preisvorbehalten neu durch.
Was offene Modelle im Eigenbetrieb kosten, zeigt Open-Source-KI selbst hosten, und warum Hardware nie vor dem Konzept gekauft werden sollte, erklärt Lokale KI einführen ohne eigenes KI-Team. Für Ihr KI-Vorhaben müssen Sie selbst weder Speicherpreise beobachten noch Konfigurationen vergleichen: Analyse, Dimensionierung, Umsetzung und Betrieb kommen bei DigiRift aus einer Hand.
Teuer ist eher die Infrastruktur als die Modellnutzung: Laut Bitkom (2026) nennen 51 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung als großen Kostenpunkt, den Token-Verbrauch nur 8 Prozent.
Billigere KI-Leistung, teurere Geräte: Das ist kein Widerspruch
Langfristig sinkt der Preis je KI-Leistung, 2026 und 2027 verteuert ein Engpass bei Speicherbausteinen dagegen die konkrete Gerätebeschaffung. Laut Epoch AI (2026) fallen die Kosten für ein festes KI-Leistungsniveau seit 2023 um rund 47 Prozent pro Quartal; gemeint ist das jeweils günstigste Modell, nicht der Listenpreis neuer Spitzenmodelle. Was dieser Preisverfall für laufende KI-Abos bedeutet, zeigt unser Beitrag zur LLM-Flation.
Fazit: Planen schlägt Warten
Die Speicherkrise durch KI ist kein Quartalsphänomen: Die Hersteller lenken ihre Kapazität zu HBM und Server-Speicher, und keine der vorliegenden Prognosen sieht vor Ende 2027 deutlich sinkende Preise. PCs kosten laut Gartner im Schnitt 17 Prozent mehr als 2025, Server-Angebote gelten teils kürzer und tragen Preisvorbehalte. Wer seinen Bedarf bündelt, Angebote genau liest und Geräte nicht auf Vorrat ausstattet, behält sein Hardware-Budget trotzdem im Griff.
Steht bei Ihnen ein KI-Vorhaben an, prüfen wir in einem 30-minütigen Gespräch Ihren Anwendungsfall und Ihre vorhandene Infrastruktur. Sie erhalten eine Bedarfsrechnung, welche Rechenarbeit auf bestehenden Systemen oder auf Servern in Deutschland laufen kann und welche Anschaffung Sie sich sparen können. Jetzt Gespräch mit DigiRift vereinbaren.
Quellen
- TrendForce (2026): Speicherprognose 1. Quartal 2026. trendforce.com
- TrendForce (2026): Speicherprognose 2. Quartal 2026. trendforce.com
- TrendForce (2026): Speicherprognose 3. Quartal 2026. trendforce.com
- TrendForce (2026): Speicherprognose 4. Quartal 2026. trendforce.com
- TrendForce (2025): Speicherknappheit erreicht die PC-Preise. trendforce.com
- Counterpoint Research (2026): DRAM- und HBM-Marktanteile. counterpointresearch.com
- ComputerBase (2026): Speicherpreise im Check. computerbase.de
- heise online (2026): Gartner erwartet günstigeren Speicher erst 2028. heise.de
- heise online (2026): Gartner-Prognose zu Notebook-Preisen. heise.de
- heise online (2026): Jetzt rumst es im PC-Markt. heise.de
- The Register (2026): HPE-Quartalszahlen Q1 2026. theregister.com
- Computerwoche (2026): HPE kann Preise nach Bestellung anpassen. computerwoche.de
- IEA (2026): Key Questions on Energy and AI. iea.org
- Bitkom (2026): Erstmals nutzt Mehrheit der Unternehmen KI. bitkom.org
- Epoch AI (2026): The plunging price of thought. epoch.ai
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Speicherkrise durch KI?
Was bedeutet die Speicherkrise durch KI für die Hardware-Beschaffung von Unternehmen?
Warum sind Arbeitsspeicher und SSDs 2026 so teuer?
Sollten Unternehmen Notebooks und Server jetzt kaufen oder bis 2027 warten?
Worauf sollten KMU bei Server-Angeboten mit Preisvorbehalt achten?
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