EU AI Act: Die KI-Verordnung einfach erklärt
Die EU-KI-Verordnung ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung künstlicher Intelligenz. Erfahren Sie, was das für Ihr Unternehmen bedeutet und wie Sie compliant werden.
Das Wichtigste auf einen Blick
Die KI-Verordnung betrifft alle Unternehmen, die KI einsetzen
Wichtige Fristen
Diese Termine sollten Sie kennen
Was ist der EU AI Act?
Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung künstlicher Intelligenz. Die Verordnung wurde am 1. August 2024 in Kraft gesetzt und gilt in allen EU-Mitgliedstaaten direkt, ohne nationale Umsetzung.
Das Ziel: Ein einheitlicher Rechtsrahmen für die Entwicklung, den Vertrieb und den Einsatz von KI-Systemen in Europa schaffen. Dabei soll Innovation gefördert und gleichzeitig Grundrechte, Sicherheit und ethische Grundsätze geschützt werden.
Die Verordnung betrifft nicht nur KI-Entwickler und -Anbieter, sondern auch alle Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen – vom kleinen Mittelständler bis zum Großkonzern.
EU-weit gültig
Einheitliche Regeln in allen 27 Mitgliedstaaten
Risikobasierter Ansatz
Regulierung je nach Gefährdungspotenzial der KI
Hohe Bußgelder
Bis zu 35 Mio. Euro oder 7% des Jahresumsatzes
Die Ziele des EU AI Act
Schutz der Grundrechte
Verhinderung von Diskriminierung und Überwachung durch KI
Rechtssicherheit schaffen
Klare Regeln für Entwickler und Anwender
Innovation fördern
Vertrauenswürdige KI stärkt den Wirtschaftsstandort
Transparenz gewährleisten
Nutzer müssen über KI-Einsatz informiert werden
Die vier Risikostufen des EU AI Act
Der EU AI Act klassifiziert KI-Systeme nach ihrem Risikopotenzial. Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen.
Unannehmbares Risiko
VERBOTEN
- • Social Scoring durch Behörden
- • Manipulation von Verhalten
- • Biometrische Kategorisierung
- • Emotionserkennung am Arbeitsplatz
Hohes Risiko
STRENGE AUFLAGEN
- • Biometrische Identifizierung
- • Kritische Infrastruktur
- • Bildung & Bewerbungen
- • Kreditwürdigkeitsprüfung
Begrenztes Risiko
TRANSPARENZPFLICHTEN
- • Chatbots
- • KI-generierte Inhalte
- • Deepfakes
- • Empfehlungssysteme
Minimales Risiko
KEINE AUFLAGEN
- • Spam-Filter
- • Videospiel-KI
- • Inventar-Management
- • Standard-Automatisierung
Verbotene KI-Praktiken im Detail
Diese KI-Anwendungen sind in der EU vollständig untersagt. Verstöße können mit bis zu 35 Millionen Euro geahndet werden.
Social Scoring
Bewertung von Personen aufgrund ihres Sozialverhaltens durch Behörden oder Unternehmen, die zu Benachteiligungen führt.
Beispiel: Kreditwürdigkeit basierend auf Social-Media-Aktivitäten
Unterschwellige Manipulation
KI-Systeme, die das Verhalten von Personen ohne deren Bewusstsein manipulieren und zu schädlichen Entscheidungen führen.
Beispiel: Unterschwellige Werbebotschaften zur Kaufbeeinflussung
Ausnutzung von Vulnerabilitäten
KI, die Schwächen aufgrund von Alter, Behinderung oder sozioökonomischer Situation ausnutzt.
Beispiel: Targeting von Senioren mit manipulativen Finanzprodukten
Biometrische Echtzeit-Identifikation
Ferngesteuerte biometrische Identifikation in öffentlichen Räumen zu Strafverfolgungszwecken (mit wenigen Ausnahmen).
Beispiel: Gesichtserkennung in Fußgängerzonen
Emotionserkennung am Arbeitsplatz
Systeme zur Erkennung von Emotionen in Arbeits- und Bildungseinrichtungen (außer aus Sicherheitsgründen).
Beispiel: Stimmungsanalyse von Mitarbeitern via Webcam
Predictive Policing
KI-Systeme, die Straftaten einzelner Personen allein aufgrund von Profiling vorhersagen.
Beispiel: Vorhersage von Straftaten basierend auf Wohnort
Wichtig zu wissen
Die Verbote gelten für alle Unternehmen, die in der EU tätig sind – unabhängig davon, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Auch die Nutzung verbotener KI-Systeme von Drittanbietern ist untersagt.
Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme
Hochrisiko-KI unterliegt strengen Anforderungen an Dokumentation, Risikomanagement und menschliche Aufsicht.
Welche KI-Systeme sind Hochrisiko?
Biometrische Identifikation
Gesichtserkennung, Fingerabdruck-Matching, Iris-Scans zur Personenidentifikation
Kritische Infrastruktur
Energie, Wasser, Verkehr, digitale Infrastruktur – Systeme, die Sicherheit beeinflussen
Bildung & Ausbildung
KI zur Bewertung von Prüfungen, Zulassungsentscheidungen, Lernstandsanalysen
Beschäftigung & HR
Bewerber-Screening, Leistungsbewertung, Beförderungsentscheidungen
Öffentliche Dienste
Sozialleistungen, Kreditwürdigkeitsprüfung, Notdienst-Priorisierung
Strafverfolgung & Justiz
Risikobewertung, Beweismittelanalyse, Lügendetektoren
Migration & Grenzschutz
Visumanträge, Asylverfahren, Grenzkontrollen
Pflichten für Anbieter von Hochrisiko-KI
Risikomanagementsystem
Kontinuierliche Identifikation und Bewertung von Risiken über den gesamten Lebenszyklus
Daten-Governance
Qualitätskriterien für Trainingsdaten, Vermeidung von Bias, Dokumentation der Datenherkunft
Technische Dokumentation
Umfassende Beschreibung des Systems vor Inverkehrbringen, laufende Aktualisierung
Protokollierung (Logging)
Automatische Aufzeichnung aller relevanten Ereignisse während des Betriebs
Transparenz & Information
Klare Gebrauchsanweisungen für Betreiber, Kennzeichnung als KI-System
Menschliche Aufsicht
Design ermöglicht effektive menschliche Kontrolle und Eingriffsmöglichkeiten
Genauigkeit & Robustheit
Angemessene Leistung, Cybersicherheit, Schutz vor Manipulation
General Purpose AI (GPAI) im EU AI Act
Der EU AI Act enthält spezielle Regeln für General Purpose AI – also KI-Modelle wie ChatGPT, Claude, Gemini oder Llama, die für viele verschiedene Aufgaben eingesetzt werden können.
Diese Modelle werden unterschieden in Standard-GPAI und GPAI mit systemischem Risiko. Modelle gelten als systemisch riskant, wenn sie mit mehr als 10^25 FLOPS trainiert wurden oder von der EU-Kommission so eingestuft werden.
Für alle GPAI-Anbieter
Technische Dokumentation, Informationen für nachgelagerte Anbieter, Copyright-Compliance, Veröffentlichung einer Zusammenfassung der Trainingsdaten
Zusätzlich für systemisch riskante GPAI
Modell-Evaluation, Risikobewertung, Adversarial Testing, Cybersicherheitsmaßnahmen, Meldepflicht bei schwerwiegenden Vorfällen
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Als Nutzer von ChatGPT & Co.
- ✓ Mitarbeiter müssen geschult werden (KI-Kompetenz)
- ✓ Transparenzpflicht: KI-generierte Inhalte kennzeichnen
- ✓ Bei Deepfakes: Klare Kennzeichnung als künstlich erzeugt
- ✓ Dokumentation der Nutzung empfohlen
Als Entwickler auf Basis von GPAI
- ✓ Informationen des GPAI-Anbieters berücksichtigen
- ✓ Bei Hochrisiko-Anwendung: Alle Hochrisiko-Anforderungen erfüllen
- ✓ Copyright-Vorgaben des Basismodells beachten
Tipp: Auch wenn Sie nur ChatGPT nutzen, gilt seit Februar 2025 die Schulungspflicht. Ihre Mitarbeiter müssen verstehen, wie KI funktioniert, wo die Grenzen liegen und wie sie verantwortungsvoll damit umgehen.
Bußgelder bei Verstößen gegen den EU AI Act
Die Strafen sind gestaffelt nach Schwere des Verstoßes und orientieren sich an der DSGVO-Systematik.
35 Mio. €
oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes
Verbotene KI-Praktiken
Nutzung oder Bereitstellung von KI-Systemen, die nach Art. 5 verboten sind
15 Mio. €
oder 3% des weltweiten Jahresumsatzes
Hochrisiko-Verstöße
Nichteinhaltung der Anforderungen für Hochrisiko-KI oder GPAI
7,5 Mio. €
oder 1,5% des weltweiten Jahresumsatzes
Falsche Angaben
Unrichtige, unvollständige oder irreführende Informationen gegenüber Behörden
Faktoren bei der Bußgeldbemessung:
Erleichterungen für KMU
Für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups gelten niedrigere Obergrenzen. Bei KMU wird der jeweils niedrigere Betrag (fester Betrag vs. Prozentsatz) angewendet.
Wann gilt was? Die EU AI Act Timeline
Die Verordnung wird stufenweise eingeführt. Einige Pflichten gelten bereits, andere folgen in den nächsten Jahren.
1. August 2024
Inkrafttreten des EU AI Act
1. August 2024
Verordnung in Kraft
Der EU AI Act ist offiziell gültig. Die Umsetzungsfristen beginnen.
KI-Kompetenzpflicht aktiv
Alle Mitarbeiter, die mit KI arbeiten, müssen nachweisbar geschult sein.
2. Februar 2025
2. Februar 2025
Schulungspflicht gilt jetzt!
KI-Kompetenzpflicht aktiv
Alle Mitarbeiter, die mit KI arbeiten, müssen nachweisbar geschult sein.
2. August 2025
Verbote treten in Kraft
2. August 2025
Verbotene KI-Praktiken
Social Scoring, manipulative KI und biometrische Kategorisierung werden verboten.
Hochrisiko-KI Regulierung
Strenge Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme treten vollständig in Kraft.
2. August 2026
2. August 2026
Vollständige Durchsetzung
Hochrisiko-KI Regulierung
Strenge Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme treten vollständig in Kraft.
Ist Ihr Unternehmen betroffen?
Der EU AI Act gilt für verschiedene Akteure entlang der KI-Wertschöpfungskette.
KI-Anbieter
Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln und auf den Markt bringen.
- → Risikomanagementsystem einrichten
- → Technische Dokumentation erstellen
- → Konformitätsbewertung durchführen
KI-Betreiber (Anwender)
Unternehmen, die KI-Systeme im Geschäftsbetrieb einsetzen.
- → Mitarbeiter schulen (Pflicht!)
- → Menschliche Aufsicht sicherstellen
- → Nutzung dokumentieren
Importeure & Händler
Unternehmen, die KI aus Drittländern einführen oder vertreiben.
- → Konformität des Anbieters prüfen
- → CE-Kennzeichnung sicherstellen
- → Dokumentation aufbewahren
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Zu den LösungenHäufige Fragen zum EU AI Act
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